Feuchteschäden an Gebäuden, Bauwerksabdichtung

Feuchteschäden an Gebäuden, Bauwerksabdichtung
Feuchteschäden durch fehlerhafte Bauwerksabdichtungen

Feuchteschäden aufgrund fehlerhafter Bauwerksabdichtungen bilden eine der größten Schadensgruppe für Schäden an Gebäuden. Erdberührte und unterkellerte Bauteile, Gebäudesockel und Flachdächer gehören zu den am häufigsten betroffenen Bauteilen. Die durch nachträgliche Beseitigung der Ursachen aus undichten Bauwerksabdichtungen ausgelösten Kosten, übersteigen sehr häufig die Herstellkosten der Bausubstanz.

 
Abb. 1: Wassereintritt an der Deckenuntersicht einer Tiefgarage.

Feuchteschäden an erdberührten Bauteilen

Nach meinen persönlichen Erfahrungen als Sachverständiger in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein, sind die Hauptschadensursachen auf Planungsfehler bzw. handwerkliche Ausführungsfehler - oder einer Kombination aus beidem zurückzuführen. Dabei ist festzustellen, dass handwerkliche Ausführungsfehler nicht vermeidbar sind, jedoch nach den Erfahrungen des Verfassers bei sachkundiger Planung, Ausschreibung und Überwachung (Qualitätskontrolle) der Abdichtungsarbeiten deutlich reduziert werden können.

 
Abb. 2: Mangelhafte Bauwerksabichtung.

 
Abb. 3: Feuchtschaden im Treppenhaus an der Außenwand.

 
Abb. 4: Wasser im Warmdachaufbau. Flachdachanschlüsse mangelhaft.

 
Abb. 5: Überprüfung der Trockenschichtdicke, KMB.

Fehlende Sachkunde bei Planern und Ausführenden sind die häufigsten Ursachen für Feuchteschäden an Gebäuden. Dies gilt in besonderem Maße für Bauvorhaben, bei denen auf die unabhängige, baubegleitende Qualitätskontrolle durch Personen mit besonderer Sachkunde verzichtet wurde.

Wesentliche Normen für Bauwerksabdichtungen

Bauwerksabdichtungen werden in der DIN 18195 „Bauwerksabdichtungen“ geregelt. Die Normenreihe besteht aus insgesamt 10 Teilen (Stand 11-2015):

 
Abb. 6: Undichte Bauwerksfuge, befahrenes Parkdeck. Wasserdurchtritt und Korrosion der Bewehrung.

 
Abb. 7: Feuchteschaden und Schimmelbildung an der Außenwand.

"Darüber hinaus können folgende, wesentlichen Normen und Regelwerke für Abdichtungsarbeiten herangezogen werden":

Bemessungswasserstand und Arten der Bauwerksabdichtung:

Definition Bemessungswasserstand:
„Der höchste innerhalb der planmäßigen Nutzungsdauer zu erwartende Grundwasser-, Schichtenwasser- oder Hochwasserstand unter Berücksichtigung langjähriger Beobachtungen und zu erwartender zukünftiger Gegebenheiten: Der höchste planmäßige Wasserstand“

 
Abb. 8: Wassereintritt in der Aufzugsunterfahrt, weisse Wanne, Boden-/Wandanschluss ohne Arbeitsfugenband.

Lastfälle:

 
Abb. 9: Bodenfeuchte und nichtstauendes Sickerwasser.

 
Abb. 10: aufstauendes Sickerwasser

 
Abb. 11: drückendes Sickerwasser

Die in der DIN 18195 beschriebenen Abdichtungsarten für erdberührte Bauteile (für Außenwände), werden hinsichtlich des Widerstandes gegen Wasserbeanspruchung (Lastfälle) wie folgt unterschieden:

Die in der DIN 18195-Teil 5 beschriebene Wasserbeanspruchung „nichtdrückendes Wasser“ gilt nur für horizontale und geneigte Deckenflächen im Freien und im Erdreich, sowie für Bodenflächen in Nassräumen.

Für die Alternative, wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton "weiße Wane", werden in der WU-Richtlinie des DAfStb "Beanspruchungsklassen", in Anlehnung an die DIN 18195 definiert:

 
Abb. 12: Sockelabeschichtung fehlt, Betonabplatzungen, chloridinduzierte Bewehrungskorrosion.

 
Abb. 13: Putzabplatzungen im Sockelbereich, Sockelabdichtung fehlt.

 
Abb. 14: Putzabplatzungen oberhalb des Fliesensockels an der Außenwand, die Horizontalsperre im Mauerwerk fehlt.

Wasserbeanspruchungen (Lastfälle) nach DIN 18195

Hinsichtlich der Intensität der Beanspruchung wird zwischen Bauwerken unterschieden, bei denen Wasser einen „hohen hydrostatischen“ Druck ausübt – und solchen Bauwerken, auf die das Wasser einen geringen hydrostatischen Druck ausübt. Danach wird unterschieden ob,

Je nach Art und Aufgabe der Abdichtung, ihrem Schutzziel sowie der Größe der auf die Abdichtung einwirkenden Beanspruchungen durch Verkehr, Temperatur und Wasser, wird dabei für Bauwerksabdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen (DIN 18195-5) zwischen „mässig“ und „hoch“ beanspruchten Flächen unterschieden.

Zu den mäßig beanspruchten Flächen zählen:

Zu den hoch beanspruchten Flächen zählen:

 
Abb. 15: Totalschaden im Untergeschoss, die Bauwerksabdichtung fehlt.

 
Abb. 16: Massiver Schimmelbefall an der Außenwandecke.

Anforderungen an die Planung von Bauwerksabdichtungen für erdberührte Bauteile

Vor Planungsbeginn müssen deshalb Kenntnisse über die Bodenart, die Geländeform und der Bemessungswasserstand am Bauwerkstandort vorliegen. Der Verzicht auf die Einholung eines Baugrundgutachtens zur Klärung der geotechnischen Verhältnisse ist leichtsinnig. Das Jahrhunderthochwasser 2006 im Landkreis Rosenheim, sorgte leider nur kurzzeitig für eine erhöhte Aufmerksamkeit bei Planern und Ausführenden. Fehlt ein Baugrundgutachten oder gesicherte Erkenntnisse zu den geotechnischen Bodenverhältnissen und dem Bemessungswasserstand, werden für die folgenden Planungsleistungen oft leichtsinnige Annahmen getroffen. Der Grundsatz, dass ohne Kenntnisse zum Baugrund vom Lastfall "drückendes Wasser" auszugehen ist und entsprechende Abdichtungsmaßnahmen „geplant“ werden müssen, wird erstaunlich oft vernachlässigt.

Abdichtungen müssen „geplant“ werden.

Neustrukturierung der Abdichtungsnormen

Die DIN 18195 wird derzeit in Normungsausschüssen neu strukturiert. Die neuen Abdichtungsnormen sollen eine schnelle Orientierung untereinander nach vergleichbaren Kriterien ermöglichen.
Gliederung der Abdichtungsnormen:
Die noch geltenden Normen DIN 18195 und DIN 18531 wurden in mehrere bauteilbezogene Einzelnormen aufgeteilt. Diese Normen sollen nach gleichen Kriterien aufgebaut und abgefasst werden. Die Einheitlichkeit bei der Normung von Abdichtungen soll gewahrt bleiben